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Title: Die Hochzeit der Frau Füchsin: from "Kinder- und Hausmärchen"
Date of first publication: 1812
Author: Jacob Ludwig Carl Grimm (1785-1863)
Author: Wilhelm Carl Grimm (1786-1859)
Date first posted: April 11 2014
Date last updated: April 11 2014
Faded Page ebook #20140429

This ebook was produced by: Delphine Lettau, David T. Jones
& the online Distributed Proofreaders Canada team at http://www.pgdpcanada.net

(This book was produced from scanned images of public
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38.

Die Hochzeit der Frau Füchsin.


Erstes Märchen.

Es war einmal ein alter Fuchs mit neun Schwänzen, der glaubte seine Frau
wäre ihm nicht treu und wollte er sie in Versuchung führen. Er streckte
sich unter die Bank, regte kein Glied und stellte sich als wenn er
mausetodt wäre. Die Frau Füchsin gieng auf ihre Kammer, schloß sich ein,
und ihre Magd, die Jungfer Katze, saß auf dem Herd und kochte. Als es
nun bekannt ward, daß der alte Fuchs gestorben war, so meldeten sich
die Freier. Da hörte die Magd daß jemand vor der Hausthüre stand und
anklopfte; sie gieng und machte auf, und da wars ein junger Fuchs, der
sprach

  'Was macht sie, Jungfer Katze?
  schläft se oder wacht se?'

Sie antwortete

  'ich schlafe nicht, ich wache.
  Will er wissen was ich mache?
  Ich koche warm Bier, thue Butter hinein:
  will der Herr mein Gast sein?'

'Ich bedanke mich, Jungfer,' sagte der Fuchs, 'was macht die Frau
Füchsin?' Die Magd antwortete

  'sie sitzt auf ihrer Kammer,
  sie beklagt ihren Jammer,
  weint ihre Äuglein seidenroth,
  weil der alte Herr Fuchs ist todt,'

'Sag sie ihr doch, Jungfer, es wäre ein junger Fuchs da, der wollte sie
gerne freien.' 'Schon gut, junger Herr.'

  Da gieng die Katz die Tripp die Trapp,
  Da schlug die Thür die Klipp die Klapp.
  'Frau Füchsin, sind Sie da?'
  'Ach ja, mein Kätzchen, ja.'
  'Es ist ein Freier draus.'
  'Mein Kind, wie sieht er aus?'

'Hat er denn auch neun so schöne Zeiselschwänze wie der selige Herr
Fuchs?' 'Ach nein,' antwortete die Katze, 'er hat nur Einen.' 'So will
ich ihn nicht haben.'

Die Jungfer Katze gieng hinab und schickte den Freier fort. Bald darauf
klopfte es wieder an, und war ein anderer Fuchs vor der Thüre, der
wollte die Frau Füchsin freien; er hatte zwei Schwänze; aber es gieng
ihm nicht besser als dem ersten. Danach kamen noch andere immer mit
einem Schwanz mehr, die alle abgewiesen wurden, bis zuletzt einer kam
der neun Schwänze hatte wie der alte Herr Fuchs. Als die Wittwe das
hörte, sprach sie voll Freude zu der Katze

  'nun macht mir Thor und Thüre auf,
  und kehrt den alten Herrn Fuchs hinaus.'

Als aber eben die Hochzeit sollte gefeiert werden, da regte sich der
alte Herr Fuchs unter der Bank, prügelte das ganze Gesindel durch und
jagte es mit der Frau Füchsin zum Haus hinaus.


Zweites Märchen.

Als der alte Herr Fuchs gestorben war, kam der Wolf als Freier, klopfte
an die Thüre, und die Katze, die als Magd bei der Frau Füchsin diente,
machte auf. Der Wolf grüßte sie, und sprach

  'guten Tag, Frau Katz von Kehrewitz,
  wie kommts daß sie alleine sitzt?
  was macht sie gutes da?'

Die Katze antwortete

  'Brock mir Wecke und Milch ein:
  will der Herr mein Gast sein?'

'Dank schön, Frau Katze,' antwortete der Wolf, 'die Frau Füchsin nicht
zu Haus?'

Die Katze sprach

  'sie sitzt droben in der Kammer,
  beweint ihren Jammer,
  beweint ihre große Noth,
  daß der alte Herr Fuchs ist todt.'

Der Wolf antwortete

  'Will sie haben einen andern Mann,
  so soll sie nur herunter gan.'
    Die Katz die lief die Trepp hinan,
  und ließ ihr Zeilchen rummer gan
  bis sie kam vor den langen Saal:
  klopft an mit ihren fünf goldenen Ringen.
  'Frau Füchsin, ist sie drinnen?
  Will sie haben einen andern Mann,
  so soll sie nur herunter gan.'

Die Frau Füchsin fragte 'hat der Herr rothe Höslein an, und hat er ein
spitz Mäulchen?' 'Nein' antwortete die Katze. 'So kann er mir nicht
dienen.'

Als der Wolf abgewiesen war, kam ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein
Bär, ein Löwe, und nach einander alle Waldthiere. Aber es fehlte immer
eine von den guten Eigenschaften, die der alte Herr Fuchs gehabt hatte,
und die Katze mußte den Freier jedesmal wegschicken. Endlich kam ein
junger Fuchs. Da sprach die Frau Füchsin 'hat der Herr rothe Höslein an,
und hat er ein spitz Mäulchen?' 'Ja,' sagte die Katze, 'das hat er.' 'So
soll er herauf kommen' sprach die Frau Füchsin, und hieß die Magd das
Hochzeitfest bereiten.

  'Katze, kehr die Stube aus,
  und schmeiß den alten Fuchs zum Fenster hinaus.
  Bracht so manche dicke fette Maus,
  fraß sie immer alleine,
  gab mir aber keine.'

Da ward die Hochzeit gehalten mit dem jungen Herrn Fuchs, und ward
gejubelt und getanzt, und wenn sie nicht aufgehört haben, so tanzen sie
noch.


[The end of _Die Hochzeit der Frau Füchsin_ by The Brothers Grimm]
